Alternativen?! Römermuseum, Friedwald, Energie
„Main-Limes-Entdeckerzentrum hin – Römermuseum her.“ Natürlich stand aus aktuellem Anlass die Diskussion rund um die Ankündigung einiger Stadträte, dieses Obernburger Neubauprojekt zu kippen, im Vordergrund der lebhaften Diskussionen auf dem BürgerInnenstammtisch von Bündnis 90/Die Grünen Obernburg am letzten Mittwoch im Kult in Obernburg. Die entschiedene Befürworterin des Vorhabens Stadt- und Kreisrätin Marion Becker erklärte, in welchen Bereichen die Nachbargemeinden Obernburg als ehemals blühendes Mittelzentrum bereits abgelöst hätten. So ist das Veranstaltungszentrum des Nordkreises das Bürgerzentrum in Elsenfeld, der Handball findet auch dort statt, Urban Priols Kleinkunstbühne ist in Aschaffenburg, die Raiba geht nach Großostheim. Diese Liste ließe sich laut Becker noch lang fortsetzen: „Elsenfeld, Erlenbach und Mömlingen mausern sich, Obernburg war mal wirklich schön hergerichtet, aber nun ist überall in Obernburg Stillstand. Und Stillstand ist Rückschritt! Fortschritt gibt es nur mit dem mutigen Bekenntnis zum Main-Limes-Entdeckerzentrum!“ Dem entgegnete der Gegner Stadtrat Ansgar Stich, dass er die „Diagnose durchaus teilt, aber andere Schlussfolgerungen zieht: Gerade wegen des Stillstands müssen wir die genannten Missstände ins Positive entwickeln und dürfen unserer Stadt nicht auf Jahrzehnte die finanzielle Handlungsfähigkeit rauben!“ Der Ortssprecher und ehemalige Stadtrat Roland Arnold, in dessen Amtszeit die Initiierung des Projekts fiel, ging noch weiter. Er teilte nicht einmal die negative Beschreibung Obernburgs, sondern lobte z.B. die „Mainanlagen, die abgesehen vom B 469-Lärm die schönsten im ganzen Landkreis, gemeinsam mit den Miltenbergern, sind!“ Seine Schlussfolgerungen deckten sich mit Stichs, er legte dabei besonders Wert auf eine ordentliche Sanierung der Stadthalle.
Einhellige Empörung herrschte bei allen anwesenden BürgerInnen über den Diskussionsstil der letzten Tage, auch werde recht einseitig informiert und wenig seriöse Zahlen von beiden Seiten gegeneinander aufgerechnet. „Da muss eine Stadtratssitzung stattfinden, in der noch einmal richtig Tacheles geredet wird!“, forderte Becker. Sie schlug vor, „einen Bürgerentscheid anzustreben, die Obernburger Menschen sollen entscheiden!“ Dieses könnten sich auch die Gegner Ansgar Stich und Roland Arnold vorstellen. Und auch die Kreissprecherin Sylvia Deckert lobte Beckers Idee als den „demokratischsten Weg, aus der verfahrenen Situation herauszukommen!“
Stadtrat Ansgar Stich bestand auf seiner Ablehnung des Projekts, Stadträtin Marion Becker auf ihrer Befürwortung. Damit sind die Grünen allerdings auch nicht allein, es gibt keine Stadtratsfraktion, die nach aktuellem Stand einheitlich abstimmen wird. „Nehmen wir das als Zeichen demokratischer Reife, dass hier ohne Fraktionszwänge das persönliche Gewissen der Stadtratsmitglieder gefragt ist“, wertete Ansgar Stich diese Situation.
Größere Einigkeit herrschte unter den Anwesenden bezüglich des eigentlichen Themas des Abends: die geforderte Einrichtung eines Friedwalds in Obernburg. Die Bürgerin Inge Listmann betonte, dass sie gerne für sich einen Friedwaldplatz hätte und zwar „ausdrücklich nicht, weil das finanziell günstiger sein könnte, sondern von der Romantik her.“ Sie stelle sich so naturnah und urwüchsig ihre letzte Ruhestätte vor und bedauerte, dass „es dieses Angebot nur in Stadtprozelten gibt!“ „Wir sollten den Menschen diese Bestattungsalternative bieten, das stünde einem modernen Mittelzentrum Obernburg gut zu Gesicht“, führte Stadtrat Ansgar Stich aus. „Theologisch fundierte Bedenken dürfte es für einen Christen nicht geben“, setzte der katholische Religionslehrer hinzu, „das entspricht einer normalen Urnenbestattung, die im Christentum allseits legitimiert ist!“ Marion Becker ergänzte: „Es wird ja niemand gezwungen. Es soll eine Alternative, keine Pflicht werden.“ Sie lud alle interessierten Obernburger BürgerInnen ein, mit den Grünen am Sonntag, den 02.08.09 um 13.30 Uhr zu einer geführten Besichtigung nach Stadtprozelten zu fahren.
Auch das andere vorgesehene Diskussionsthema Photovoltaik-Großanlage brachte eine grundsätzliche Übereinstimmung hervor. „Wir sind eindeutig für die alternative Energiegewinnung!“, betonte Kreissprecherin Sylvia Deckert. Man sollte allerdings laut dem Ortssprecher und Obernburger Umweltbeauftragten Roland Arnold erwägen, „ob man Vorranggebiete im Flächennutzungsplan ausweist, um eine Verschandelung der Landschaft durch mögliche weitere Großanlagen einzudämmen.“ Es gäbe z. B. viele Argumente, in das Wasserschutzgebiet zu gehen, da man dort dann, wenn man die bisherigen landwirtschaftlich genutzten Flächen der gewerblichen Energiegewinnung zuführt, nicht mehr düngt, keine Pestizide ausbringt, aber trotzdem den Boden nicht versiegelt. „Das wäre für die Zukunft ideal“, assistierte Ansgar Stich, „allerdings dürfen jetzt solche Argumente auf gar keinem Fall eingesetzt werden, um die geplante Klimmer-Anlage durch Verschleppung schleichend zu verhindern!“ Für die Zukunft müsse diese Diskussion allerdings geführt werden, lautete der Konsens der gesamten Runde.
Pressebericht (zuletzt geändert am 29.06.07 18:07)






