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13.02.08 07:34 Alter: 4 Jahr(e)

Bio-Bauer, Bürgermeister, Bajuware - Landesvorsitzender Sepp Daxenberger zu Besuch in Wörth und Obernburg

Kategorie: Ortsverband Wörth, Ortsverband Obernburg, Die Grünen

Von: js / Main Echo

Bayerns Grünen-Chef Sepp Daxenberger als »Wahlhelfer« in Wörth und Obernburg

Wörth / Obernburg. Eines hat der Daxenberger Sepp dem Scherf Jens Marco voraus: Der Grüne hat in jungen Jahren der Versuchung Junge Union widerstanden. Trotzdem - oder deshalb? - wurde der Landwirt 1996 mit gerade 33 Jahren zum Bürgermeister von Waging am See gewählt, einer 6500-Seelen-Gemeinde im tiefschwarzen Oberbayern.

v.l.n.r.: Petra Münzel (Landratskandidatin Grüne),
Sepp Daxenberger (Landesvorsitzender Grüne),
Jens Marco Scherf (Bürgermeisterkand. Wörth Grüne/SPD),
Richard Oettinger (Ortsvorsitzender SPD Wörth)

Weil in Wörth am Main, am anderen Ende des Freistaats, der Hauptschullehrer Scherf es ihm am 2. März gleichtun will, gab der Landeschef der bayerischen Grünen seinem Parteifreund am Montagabend im Gasthaus »Goldene Krone« Schützenhilfe. »Global denken, lokal handeln«: Dieses ur-grüne Credo hat Daxenberger in den vergangenen zwölf Jahren in Waging nach eigener Einschätzung umzusetzen versucht. Eine klare Absage erteilte er an das »Verscherbeln« von Wasserversorgung, Energienetzen oder Krankenhäusern an Private. Stattdessen gründete Waging 1998 eigene Gemeindewerke, die Kommune führt ein Altenpflegeheim in Eigenbetrieb. »Man kann von den Menschen nicht Engagement und Geld einfordern, wenn man sie nicht an Entscheidungen beteiligt«, so Daxenbergers Kommentar zum in Wahlkampfzeiten wohlfeilen Bekenntnis zur Bürgernähe. Mit Nachdruck forderte der Grünen-Politiker, auf kommunaler Ebene die Energiewende anzupacken. In Waging seien unter seiner Regie ein Blockheizkraftwerk und ein Nahwärmenetz entstanden, das Stromnetz in kommunales Eigentum überführt worden. Mit 41 Cent Kubikmeterpreis für Trinkwasser liege Waging erheblich unter dem Tarif der Nachbargemeinden. Ortskern nicht »ausbluten« lassen Als wichtigstes wirtschaftliches Standbein der Gemeinde im Voralpenland bezeichnete Daxenberger den Tourismus. Er machte klar, dass die Attraktivität für Besucher und damit auch die Einnahmen direkt von einer intakten Natur- und Kulturlandschaft abhängen. Hier sieht Daxenberger vor allem die Landwirte gefordert, wie er am Montagnachmittag auch bei einem Besuch auf dem Hof des Bauern-Kreisobmanns Bruno Fischer in Obernburg anmahnte. Der sanfte Ausbau des Fahrradtourismus habe der Gemeinde Waging gegen den Trend steigende Übernachtungszahlen beschert. Einiges hat Waging laut Daxenberger für die Sanierung des Ortskerns gemacht. Um dessen »Ausbluten« zu verhindern, fährt der grüne Bürgermeister eine restriktive Ansiedlungspolitik bei Verbrauchermärkten auf der grünen Wiese. Wichtig sei, dass Aufträge an örtliche Betriebe gingen, deren Beschäftigte wiederum im Ort einkauften und dadurch weitere Arbeitsplätze sicherten. »Wir schaden uns deshalb selbst, wenn wir unsere eigenen Leute schlecht bezahlen«, rechnete Daxenberger vor. Offenbar mit Erfolg: In Waging bringe der Einkommensteueranteil inzwischen mehr Geld in die Gemeindekasse als die Gewerbesteuer. Aufmerksam registrierte das Wörther Publikum die Bemerkungen Daxenbergers zur Entwicklung der kommunalen Finanzen in seiner zwölfjährigen Amtszeit. »Ich kann meinem Nachfolger einen schuldenfreien Haushalt übergeben«, betonte der grüne Bürgermeister. Die Pro-Kopf-Verschuldung liege gerade mal bei 39 Euro. Mit Sorge sieht der 45-Jährige, dass die Überalterung der Gesellschaft in den kommunalen Planungen »eine zu geringe Rolle spielt«. Harsch kritisierte der Grünen-Politiker das bayerische Schulsystem, das »jeden zehnten Jugendlichen frühzeitig zum Versager abstempelt«. Daxenbergers simples Rezept gegen das Sterben der Hauptschulen: »Wir müssen unsere Kinder länger gemeinsam in die Schule gehen lassen.« Wegen einer Krebserkrankung wird sich Sepp Daxenberger am 2. März nicht für eine dritte Amtszeit als Bürgermeister von Waging bewerben. Unterkriegen lassen will sich der 45-Jährige aber nicht: Im September kandidiert er für den Landtag, dem er von 1990 bis 1996 schon einmal angehört hat.


2008 Bündnis 90 / Die Grünen im Landkreis Miltenberg
Pressebericht (zuletzt geändert am 29.06.07 18:07)