EEG-Erfinder beglückwünscht Erfolg der „Hellen Köpfe“ - Hans-Josef Fell zu Besuch am Klingenberger BürgerSonnenDach
Bei seinem Besuch an der Grundschule in Röllfeld, wo seit Sommer 2005 ein BürgerSonnenDach bis zum 17. Dezember 2007, dem Tag von Fells Besuch, gut 74.000 Kilowattstunden umweltfreundlichen Solarstroms produziert hat, lobte Fell das Engagement der Klingenberger Initiative um die zwei Gesellschaftsvorsitzenden Annette Rüttger und Harald Fischmann.
Die nachhaltige Sicherung der Energieversorgung bezeichnete der Bundestagsabgeordnete, auf dessen Initiative in Hammelburg deutschlandweit die erste bürgerschaftlich initiierte Fotovoltaikanlage ans Netz ging, dabei als das zentrale politische Aufgabenfeld des 21. Jahrhunderts. Von der Bewältigung dieser Aufgabe hängen laut Fell nicht nur erfolgreiche Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe, sondern auch die weltweite Friedenssicherung und insbesondere durch regionale Wertschöpfungsprozesse die Sicherung bzw. der Ausbau des weltweiten Wohlstands ab.
Vor Gesellschaftern der GbR „Klingenberger BürgerSonnenDach Helle Köpfe“ und Mitgliedern des Kreis- bzw. Ortsverbands von Bündnis90/Die GRÜNEN bedankte sich Harald Fischmann für den Sachverstand und das Durchsetzungsvermögen, mit denen Fell zur Zeit der rot-grünen Koalition das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) konzipiert und gegen den Widerstand vieler Energiewirtschaftslobbyisten durchgesetzt habe. Ohne die Minimierung des unternehmerischen Risikos durch gesetzlich garantierte Abnahmepreise für Sonnenstrom wären, so Fischmann, wohl kaum 57 Gesellschafterinnen und Gesellschafter zu motivieren gewesen, sich am Klingenberegr BürgerSonnenDach zu beteiligen. Wie groß die Strahlkraft eines solchen Vorhabens ist, belege zudem, dass das Einzugsgebiet der Gesellschaft nicht nur Klingenberg mit allen seinen Ortsteilen, sondern auch Röllbach, Obernburg und sogar Aschaffenburg umfasst.
Nach einer kurzen Führung zu den im Keller untergebrachten Wechselrichtern und zum innerhalb der Grundschule angebrachten Display, das die jeweils (tages)aktuelle und die Gesamteinspeisung der Anlage anzeigt, setzten die Interessierten das Gespräch im TuS-Sportheim in Röllfeld fort. Die GbR-Vorsitzende Annette Rüttger gab einen interessanten Rückblich in die Gründungsgeschichte der Gesellschaft. Nicht ohne Stolz verkündete sie, dass durch die Sonnenernte der Anlage in Röllfeld bereits 35 Tonnen CO2 weniger in die Luft geblasen worden sei, als bei der Herstellung von Strom durch fossile Energieträger. Abschließend forderte sie Kommunen und Landkreis auf, sich stärker für die Erneuerbaren Energien zu engagieren. Laut Rüttger wäre es für interessierte Bürgerinnen und Bürger leichter, dem erfolgreichen Klingenberger Modell nachzueifern, wenn im Bereich der Rechtsberatung, durch die Vorhaltung erprobter Musterverträge bzw. die Bereitstellung statisch überprüfter öffentlicher Dachflächen die Organisation einer solchen Initiative erleichtert werden würde. Jochen Schneider, der der Gesellschaft die Grußworte der Klingenberger Grünen vortrug, lobte in diesem Zusammenhang grundsätzlich das 100.000-Dächer-Programm der jetzigen Vorgängerregierung und gab zu bedenken, dass Klingenberg statistisch gesehen – trotz der überdurchschnittlich hohen Anzahl an Sonnenstunden – unter der Durchschnittszahl an Fotovoltaikanlagen in Bayern liege.
Fell selbst übte Kritik an Bundeskanzlerin Merkel, die Klimaschutz und Energiepolitik als voneinander getrennte Politikfelder ansehe. Um beides wirklich zusammenzubringen, forderte der Politiker ein vollständiges Umstellen auf Erneuerbare Energien. Ohne die weltweit 600 Milliarden US-Dollar Subventionen für fossile Energieträger wären die Erneuerbaren Energien schon längst voll konkurrenzfähig. Die von der jetzigen Regierung vorgenommene Unterstützung von Kohlestrom und Besteuerung von Biokraftstoffen bezeichnet Fell als kontraproduktiv. Den Energiekonzernen warf Fell eine gezielte Desinformationspolitik vor. Die von Stadtrat Willi Stritzinger geäußerten Ängste bezüglich einer Renaissance der Atomkraft zerstreute Fell: Derzeit sei im Parlament dafür keine Mehrheit absehbar, außerdem sei Atomkraft bei einem derzeitigen weltweiten Energieversorgungsanteil von 2,5 Prozent allein schon wegen der sich rasch erschöpfenden Uranvorkommen keine Alternative. Die neuen Untersuchungsergebnisse zu einer erhöhten Krebsrate in der Umgebung deutscher Atomkraftwerke wurden in der Diskussion als noch gewichtigeres Argument für den Ausstieg angeführt. Fell musste sich dabei auch kritische Fragen gefallen lassen: Der dritte GbR-Vorstand Roland Schmitt merkte an, dass der Boom der Fotovoltaik nur durch Subventionen ausgelöst worden sei. Fell verwehrte sich gegen diesen Begriff, da bei der Förderung durch das EEG keine Steuermittel verwendet würden. Der Anteil des Strompreises, der aufgrund der Einspeisevergütung für Erneuerbare Energien aufläuft, bezifferte der Energieexperte nach der nachfrage Harald Fischmanns auf rund 0,5 Cent pro Kilowattstunde, also etwa 2,5 Prozent der Stromkosten. Ansgar Stich bezweifelte, ob es richtig gewesen sei, in der Vergangenheit von der Forderung nach einer Erhöhung des Energiepreises v.a. bei Treibstoffen abzurücken. Transportkosten seien im weltweiten Wettbewerb eindeutig zu billig. Fell entgegnete hier, dass er diese Meinung zwar teile, es aber angesichts der politischen Großwetterlage für ungeschickt halte, diese Meinung zu einer politischen Forderung zu erheben. Schließlich müsse man erst in politisch verantwortliche Positionen gewählt werden, um die Energiewende aktiv gestalten zu können.
Pressebericht (zuletzt geändert am 29.06.07 18:07)






