Etappensieg gegen die Macht der Agromultis
„Endlich merkt sogar die CSU, dass ihr die Großkonzerne vom Schlage Monsantos auf der Nase herumtanzen“,
„Endlich merkt sogar die CSU, dass ihr die Großkonzerne vom Schlage Monsantos auf der Nase herumtanzen“, kommentierte der grüne Organisator und Moderator der genmaiskritischen Diskussionsveranstaltung vom 12.03.09 im Eisenbacher Sportheim (das Main-Echo berichtete ausführlich) Stadtrat Ansgar Stich die Entscheidung der Bundesagrarministerin Ilse Aigner, den gentechnisch veränderten Mais Mon810 der Firma Monsanto in Deutschland zu verbieten. „Nach dem schizophrenen Eiertanz Seehofers, der in Berlin dafür war und in München dagegen ist, nimmt sich Frau Aigner ein Herz und tut das Richtige!“, so Stich auf der eilig einberaumten Sitzung des Ortsvorstandes und der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Obernburg und Eisenbach. Der Widerstand der Bevölkerung, auch der in Eisenbach, gegen geplante oder durchgeführte Genmais-Pflanzungen sei zu groß geworden. „Dazu haben wir Grüne unseren Beitrag geleistet“, stellte Kreissprecherin Sylvia Deckert heraus, „auch indem wir standhaft Position gehalten haben.“ Die gesundheitlichen Auswirkungen von gentechnisch verändertem (Futter-)Mais auf die Tiere und dann auf den Menschen, der am Ende der Nahrungskette steht, sind noch überhaupt nicht endgültig und befriedigend erforscht. Eine Koexistenz von Genmaisfeldern mit konventionellen oder gar von Biobauern angebauten Pflanzen ist nicht vorstellbar, egal ob der Abstand der Äcker 30, 150 oder 300 Meter beträgt: „Wir haben auf der Eisenbacher Diskussion gelernt, dass sogar Saharasand hierher verweht wird“, sagte Stich, „da sind alle Abstände widersinnig – ganz zu schweigen von den Bienen mit einem Flugradius von 3 Kilometern, die dann die Pollen umhertragen!“ Bauern, die Genmais anpflanzen, lieferten sich auf Gedeih und Verderb den Agromultis aus, betonte Deckert: „Das betrifft die Spritzmittel ebenso wie Lizenzgebühren für die jeweils nächste Aussaat.“
Leider sei die Macht der Agromultis immer noch zu groß, meinte die Tierschutzexpertin und Stadträtin Marion Becker. Wie das Main-Echo schon am Tag nach dem Genmaisverbot berichtete, wurde ein - zumindest auf Monsanto zurückgehender Versuch - gestartet, einen Gentest zu patentieren, der Schweinezucht erleichtert: „Da sind wir in kürzester Zeit soweit, dass es Patente auf Leben gibt. Bisher waren es „nur“ Pflanzen – jetzt sind die Tiere dran!“, so Becker, „das fordert unseren energischsten Widerstand!“
Dieses Wechselbad von Bewahrung der Umwelt durch Verbot des Genmaises und Ausbeutung der Natur durch Geschäftspraktiken mancher Agrogroßkonzerne verunsichert die Menschen: Die Verbraucher ebenso wie die Landwirte. „Das ist auch Schuld der CSU mit ihrem Wackelkurs“, betonte der grüne Ortssprecher und Umweltbeauftragte Obernburgs Roland Arnold, „für diese Politiker ist Natur erst einmal schöne Alpenkulisse für den Wirtschaftszweig Tourismus.“ Am wahren Schutz der Umwelt, der Menschen und ihrer Gesundheit, mithin nachhaltiger Ökologie, hätten sie erst Interesse, wenn es „sich nicht mehr vermeiden lässt!“
Die Obernburger Grünen betonten einhellig, dass man dran bleiben müsse an dem Thema und sich nicht mit kleinen Etappensiegen zufrieden geben dürfe. Schutz der Natur, der Um-Welt des Menschen, steht immer ganz oben auf der Tagesordnung. Das betrifft auch Themen wie das immer wieder gechlorte Obernburger Trinkwasser: „Da soll Bürgermeister Berninger sich mal ein Beispiel an seiner Parteifreundin Aigner nehmen und Nägel mit Köpfen machen!“, forderte der grüne Obernburger Stadtrat Stich, „manche betrachten den Zugang zu sauberen und qualitativ guten Trinkwasser als ein Menschenrecht. Gilt das auch für Obernburg?“
Das ist ein generelles Problem der örtlichen CSU und ihrer Repräsentanten im Rathaus: „Menschlich sind die alle nett“, fand Stadträtin Becker, „aber wenn mal Tatkraft verlangt ist – egal ob Wasser oder Römermuseum – dann tauchen sie ab. Da wird nur noch geflickschustert, das treibt einem die Tränen in die Augen!“
Kreissprecherin Deckert und Ortssprecher Arnold betonten abschließend, dass sich die Obernburger Grünen immer als konstruktive Opposition und Anwalt der Menschen mit ihren echten Nöten verstehen. „Das Eisenbacher Problem mit dem Genmais haben wir sofort aufgegriffen und einen Vertreter der Firma Monsanto hergeholt, dass er Rede und Antwort steht!“, bekräftigte Ansgar Stich, „bei jedem weiteren Versuch, uns Obernburgern das lebenswerte Umfeld kaputtzumachen, sind wir immer noch da und wehren uns!“
Pressebericht (zuletzt geändert am 29.06.07 18:07)






