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12.11.07 09:56 Alter: 5 Jahr(e)

Gedenktafel fehlt noch

Kategorie: Rechtsextremismus

Von: Birgit Kuhn/Main-Echo

Klingenberger Grüne erinnern nahe der ehemaligen Synagoge an Reichspogromnacht

Klingenberg. Mit einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht erinnerten am Freitag Abend Mitglieder des Ortsverbands von Bündnis90/Die Grünen am Platz der ehemaligen Synagoge in der Froschgasse an das Geschehen vom 9. November 1938. Damals traf die Zerstörungswut der Nationalsozialisten auch die Klingenberger Synagoge und die Häuser der damaligen jüdischen Mitbürger.

Mit Richard Ebert und Heinz Nickles hatten sich unter den zehn Teilnehmern auch zwei Zeitzeugen eingefunden, die als Kleinkinder in der Nachbarschaft gelebt hatten. Richard Ebert, in Mechenhard wohnhaft, beschrieb den genauen Standort des ehemaligen jüdischen Gotteshauses, der oft falsch dargestellt werde. Die Fundamente der Synagoge seien im Boden noch vorhanden, die Sandsteinmauer gegenüber sei erst viel später errichtet worden.

Der 30 Quadratmeter hohe Raum befand sich - so bestätigt es die Stadtchronik von Gudrun Berninger - im zweiten Stock eines Nebengebäudes und war über einen Durchgang zwischen Haupt- und Maingasse zu erreichen. Die Synagoge sei entgegen mancher Behauptung keinem Brand zum Opfer gefallen. Dies hätten die Bewohner der Nachbarhäuser zu verhindern gewusst, wäre doch bei den eng zusammenstehenden Häusern sonst das ganze Viertel abgebrannt. Mit Stangen seien die Scheiben von drei Fenstern eingeschlagen, der Raum verwüstet, Ritualgegenstände wie die Torarolle herausgeworfen worden.

Für 20 Reichsmark verkauft

Joachim Schneider zitierte aus der Chronik ein amtliches Schreiben - die offizielle Polizeiakte fehlt -, das lapidar die Schäden an den Wohnungen der jüdischen Familien Fried, Frank und Lindheimer aufzählt. Nach Erzählungen älterer Bürger habe sich weit mehr Gewalt abgespielt als die Zerstörung von Fensterscheiben. Die Stadt Klingenberg habe die Synagoge bereits vor dem 9. November kaufen wollen, wogegen sich die israelitische Gemeinde jedoch gewehrt habe. Nach der Verwüstung habe man von den Juden verlangt, für die Schäden selbst aufzukommen, was die kleine Gemeinde nicht vermochte. Schließlich musste sie die Synagoge für 20 Reichsmark veräußern.

Harald Fischmann, Geschichtslehrer am JEG Elsenfeld, erinnerte an die verschiedenen Bedeutungen des Gedenktags 9. November: Der Putschversuch Hitlers in München mit dem Marsch zur Feldherrnhalle fand am 9. November 1923 statt. Bei dem Versuch die Macht an sich zu reißen, wurden vier Polizisten, ein Passant und 16 Putschisten getötet. Nach der Machtübernahme wurden die Gewalttäter als Opfer stilisiert.

Als Vorwand für die Pogrome am 9.November 1938 diente ein Attentat auf den deutschen Botschafter in Paris durch Herschel Grynszpan. Während der ganzen ersten Novemberhälfte ging die Hetze weiter. Viele Juden wurden ermordet, anschließend bis 30000 in die Konzentrationslager gebracht. Fischmann erinnerte auch an den Mauerfall am 9. November 1989 und den späteren Zusammenschluss der grünen Parteien aus Ost und West. Die Klingenberger Grünen monierten, das eine bereits vor Monaten im Stadtrat beschlossene Gedenktafel zur Erinnerung an die ehemalige Synagoge und die israelitische Gemeinde noch nicht angebracht sei. Die Partei will sich dafür einsetzen, dass diese unabhängig von einer Sanierung des Platzes aufgehängt wird.


2008 Bündnis 90 / Die Grünen im Landkreis Miltenberg
Pressebericht (zuletzt geändert am 29.06.07 18:07)