„Gen-Mais – Fluch oder Segen?“
Ende Januar 2009 erhielten der Kreisvorstand die Mitteilung, dass in Obernburg, Gemarkung Eisenbach Gen-Mais ausgesät werden soll. Kurz darauf kam die „Entwarnung“. Das Vorhaben wurde von Seiten des Bauern zurückgezogen.
Für uns Grüne im Kreisverband und vor allem im Ortsverband Obernburg war es zwingend, eine Informationsveranstaltung zum Thema “Gen-Mais“ zu organisieren. Ansgar Stich entwickelte hierzu das Konzept einer Podiumsdiskussion und lud eine Reihe kompetenter Experten hierzu ein. Ziel der Veranstaltung war es, die Bevölkerung zu sensibilisieren, denn die Risiken der Agro-Gentechnik sind unserer Meinung nach derzeit überhaupt noch nicht abschätzbar. Es gibt weder staatliche Haftungsfonds noch Versicherungsgesellschaften, welche eintretende Schäden übernehmen würden.
Die überwiegende Mehrheit der Deutschen lehnt die Agro-Gentechnik zudem ab.
Mais ist sehr vielfältig in der Nutzung. Genetisch veränderter Mais wird als so genannter Silomais als Rinderfutter oder als Körnermais für Schweine- und Hühnerfutter verwendet. Als Substrat für Biogasanlagen findet er ebenso Verwendung.
Die genveränderte Pflanze, die derzeit in Deutschland angebaut werden darf, ist der Bt-Mais MON 810-6, in welchem das Insektengift des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) eingeschleust ist, um den Maiszünsler, ein Schadinsekt, zu bekämpfen. Dieses Bt wirkt jedoch auch tödlich auf die Larven von z.B. Schmetterlingen und Fliegen. Welchen Schaden die genveränderten Pollen für ein Bienenvolk und dessen Honig haben, ist derzeit noch nicht geklärt. Der Anbau von Gen-Mais muss derzeit lediglich spätestens 3 Monate vor der Aussaat beim Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gemeldet werden.
Die Schädlinge Maiszünsler und Maiswurzelbohrer konnten sich in den letzten Jahren durch die Zunahme des Anteils von Mais in der Fruchtfolge und mildere Winter sehr verbreiten. Saatgutkonzerne wie „Syngenta“ und „Monsanto“ wollen den Bauern glaubhaft machen, dass der gentechnisch veränderte Bt-Mais das non plus ultra ist. Dabei kann der Maiszünzler durch Maßnahmen des integrierten Pflanzenbaus ohne unabsehbare Folgewirkungen erfolgreich bekämpft werden.
Sportheim Olympia in Eisenbach Beginn: 19.00 Uhr Ende: 22.00 Uhr
Anwesend: Ansgar Stich, Sylvia Deckert, Harald Fischmann, Jochen Schneider, Roland Arnold, Marion Becker, Udo Barth, Wayne und Semra Lassiter, Christel Wurtinger
Im Podium:
Ansgar Stich | – Moderator, Stadtrat in Obernburg und VS-Mitglied Bündnis 90/Die Grünen KV Miltenberg |
Dr. Andreas Thierfelder | – Vertreter der Monsanto Agrar Deutschland GmbH
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Bruno Fischer
| – Obmann der Bauernschaft und Stadtrat der Aktiven Liste in Obernburg, Kreisrat in Miltenberg |
Hans Schlowak | – BN Kreisgruppe Miltenberg |
Uli Frey | – Bio-Bauer, Kreisrat der ödp in Miltenberg |
Hans Plate | – Bioland-Fachberater, Bio-Bauer, Mitglied Bündnis 90/Die Grünen KV Kitzingen |
Hans Plate eröffnete die Diskussionsrunde. Für ihn besteht das Risiko der Agro-Gentechnik gegenüber der „Roten“ und „Grauen“ Gentechnik darin, dass genveränderte Organismen schleichend in die Umwelt gelangen und dies unabsehbare Folgen haben kann. Er stellt klar, dass sich transgene Pflanzen mit anderen Arten kreuzen und dadurch völlig neue Organismen entstehen können, deren Eigenschaften nicht kontrollierbar wären.
Außerdem moniert Herr Plate die zunehmende Monopolstellung der Saatgutkonzerne, die durch ihre aggressive Marktpolitik Länder wie Indien, Haiti und Mexiko von sich abhängig machen.
Bisher wolle auch keine Versicherungsgesellschaft Bauern oder Imker gegen Ertragsausfälle versichern, wenn diesen ein möglicher Eintrag von Bestandteilen genveränderter Pflanzen auf ihren Feldern bzw. Bienenstöcken entsteht.
Dem entgegnet Dr. Thierfelder, dass die Weltbevölkerung derart rasant zunehme und 2050 doppelt so viele Nahrungsmittel erzeugt werden müssten wie heute. Zwar könne Agro-Gentechnik die Hungerprobleme nicht lösen, sie kann aber die begrenzten Ressourcen ertragreicher nutzen und würde sogar einen Beitrag zum Naturschutz leisten, da chemische Pflanzenschutzmittel reduziert eingesetzt würden.
Auf völliges Unverständnis stieß die Äußerung Dr. Thierfelders, dass eine Abstandsfläche zu bewirtschafteten Nachbaräckern mit 20 Metern völlig ausreichend sei und er die gesetzlichen 150 bis 300 Meter Abstand für übertrieben halte.
Biobauer Ulli Frey schließt Koexistenzen kategorisch aus. Er hält es auch für skandalös, dass Lebensmittel bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent gentechnisch veränderter Bestandteile als gentechnikfrei deklariert werden dürfen.
Den Einsatz von Hybrid-Pflanzen hielt er dagegen für unverzichtbar. Diese würden auch im Bio-Landbau zum Einsatz gebracht und hätten überhaupt nichts mit Gentechnik zu tun. Er wünscht sich für den Bereich der Grünen Gen-Technik eine unabhängige Risikobewertung, die bisher in keinster Weise gegeben, sondern von Lobbyisten beeinflusst sei. Er sieht die Saatgut-Lizenzen als Zwangsmaßnahmen gegenüber den Landwirten.
Während Hans Schlowak vom BN Miltenberg den Menschen nicht für klüger hält, als es die Evolution ist, entgegnet Bauernobmann Bruno Fischern, dass es nur mit Hilfe der Forschung gelungen sei, die Erträge in den letzten Jahrzehnten zu steigern. Seiner Meinung nach verfolgt die Gentechnik lediglich dieselben Ziele wie seit Jahrhunderten die Pflanzenforscher, nämlich den wachsenden Nahrungsbedarf der Weltbevölkerung zu decken. „Früher hat kein Mensch gewusst, was und wie wir anbauen, und es hat sich deshalb auch keiner aufgeregt.“ Seiner Meinung nach bestimme letztendlich der Verbraucher, ob er gentechnisch veränderte Lebensmittel kaufen will oder nicht. Dem widersprach Hans Plate umgehend, da seiner Meinung nach die Industrie dem Verbraucher Produkte aufzwinge, die dieser gar nicht haben wolle.
Auf Nachfrage aus dem Publikum bestreitet Dr. Thierfelder die Existenz von so genanntem Terminator-Saatgut. Ebenfalls auf Nachfrage erklärt er, dass Hybrid-Mais schon seit 35 Jahren angebaut werde und dieser 99 Prozent des Saatgutes ausmache.
Matthias Meidel, Kreisvorsitzender der Imkervereinigung, erboste sich über die gesetzlich vorgeschriebenen 150 bis 300 Meter Abstand, da Honigbienen bis drei Kilometer weit fliegen und die Aufnahme von Gen-Pollen in den Bienenstock den Honig für Imker unverkäuflich mache. Er schilderte den Vorfall eines Imkers, der seinen gesamten Honig vernichten musste, da er nicht gewährleisten konnte, dass sein Honig gentechnikfrei sei.
Dr. Thierfelder hält dies für eine übertriebene Maßnahme, da seiner Meinung nach kein Honig mit Gen-Pollen versetzt sei.
Alle Anwesenden waren über die letzte Aussage von Dr. Thierfelder, dass dieser sehr gerne bei einem regionalen Biobauer seines Vertrauens einkaufe, überrascht.
Pressebericht (zuletzt geändert am 29.06.07 18:07)






