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Joachim Schneider: Spagat zwischen Visionen und Realität
Klingenberg. Er will sich abstrampeln für Klingenberg. Wenn Joachim Schneider, Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen, Chef im Rathaus wird, kommt die Stadt um den Kauf eines Dienstfahrrads nicht herum. Denn für ihn ist klar: Ein Bürgermeister ist ständig in seiner Stadt unterwegs, schaut nach dem Rechten, sucht den Kontakt mit den Leuten, damit er weiß, wo es klemmt. Diese Runden lassen sich sehr gut ohne Spritverschwendung machen.
Der 46-Jährige, der auch in den Kreistag will, hat früher in Erlenbach gewohnt und war dort sechs Jahre lang im Stadtrat. Jetzt strebt er - nach 1998 - zum zweiten Mal das Bürgermeisteramt in Klingenberg an, wo er seit 16 Jahren lebt. Er wünscht sich eine Stadt, in der sich Jung und Alt wohl fühlen und möchte Kommunalpolitik machen, die Attribute wie »ökologisch«, »sozial« und »basisdemokratisch« verdient. Schneider ist zuversichtlich, Mitstreiter zu finden - auch in einem Stadtrat mit fünf politischen Gruppierungen. »Ich habe keine Berührungsängste. Für eine gute Sache bin ich immer zu haben«, sagt er und verweist auf seine Mitarbeit bei »Essen auf Rädern« - einer CSU-Initiative.
Ein Bürgermeister sollte Denkanstöße geben und auch Ziele formulieren, die nicht gleich realisierbar erscheinen: Tempo 30 etwa auf den Straßen in allen Stadtteilen oder eine Vorreiterrolle Klingenbergs im Klimaschutz durch den Einsatz regenerativer Energien. »Deshalb vielleicht als Utopist bezeichnet zu werden, das muss man aushalten.« Gute Ideen aufnehmen, bürgerschaftliches Engagement und Mitsprache fördern, so viele Themen wie möglich öffentlich beraten - für Schneider eine Selbstverständlichkeit. Die Kompetenzen sieht er klar verteilt. »Zu entscheiden hat der Stadtrat. Der Bürgermeister muss die Beschlüsse vollziehen - da hakt es in Klingenberg.«Tempo am Ortseingang drosselnSo ärgert es Schneider, dass noch immer nichts unternommen wurde, um am Ortseingang aus Richtung Erlenbach das Tempo der Verkehrsteilnehmer zu drosseln - beispielsweise mit einer Verkehrsinsel. Vor zehn Jahren wurde beantragt »und dreimal daran erinnert«, eine Gedenktafel in der Altstadt aufzustellen für die 20 jüdischen Familien, die einmal hier gelebt haben: »Passiert ist bisher nichts.« Und in der Wilhelmstraße fordert er den Mut ein, Fakten zu schaffen und endlich mit der Verbreiterung zu beginnen.Wenn ein Grüner Bürgermeister wäre -was fiele ihm zum Schuldenabbau ein? »Prestige-Projekte wie die Vinothek einfrieren«, sagt Schneider. Und der Marktplatz ließe sich auch mit weniger Aufwand ansprechend gestalten. Nicht jeder kleine Auftrag sollte an Fremdfirmen vergeben werden - den Personalabbau im Bauhof bedauert er. Chance Fremdenverkehr nutzenSchneider wäre bemüht, Einnahmen steigern, um die Finanzsituation zu verbessern: In Röllfeld seien noch Flächen frei, um Gewerbe anzusiedeln. Bau- und Wohnmöglichkeiten seien zu schaffen, damit es wieder Zuzug in Klingenberg gibt - und damit auch die Einkommensteuer-Beteiligung wächst.Im Fremdenverkehr sieht der Grüne große Chancen, »wir können alle Zielgruppen ansprechen und sollten mit unseren Pfunden wuchern.« Das Tonbergwerk könnte eine Attraktion sein. Event-Tourismus in Kooperation mit großen Partner-Unternehmen würde er anstreben und hat Visionen: etwa die von Kletterkursen an der Sandsteinwand im Weinberg und die von Werbeeinnahmen aus der Industrie. Die Grundschulen in den Stadtteilen erhalten, den Hauptschulstandort sichern, keine Kindergartenbeiträge ab dem dritten Kind - dafür würde sich Schneider einsetzen und auch die Idee von einem Naturfriedhof verfolgen. Während seine Mitbewerber ums Bürgermeisteramt auch die Stadtratlisten ihrer Gruppierungen anführen, ist sein Name bei den Grünen erst auf Platz6 zu finden. Er erklärt: Für ihn war es selbstverständlich, dass die Ratsmitglieder Annette Rüttger und Willi Stritzinger auf den Spitzenpositionen kandidieren, »denn sie leisten hervorragende Arbeit.« Dann war auf den Wechsel Frauen - Männer zu achten (bei den Grünen eiserne Regel) sowie darauf, dass alle Stadtteile gut vertreten sind. Schneider kann mit seiner Platzierung gut leben. Er will eh Bürgermeister werden.
Zur Person: Joachim Schneider
Alter: 46.
Geboren in: Erlenbach.
Lebt in: Klingenberg.
Beruf: Studium Politologie, Jura, Volkswirtschaft; Programmierer und EDV-Fachmann; Betriebsratsvorsitzender; jetzt selbständiger Datenbank-Organisator.
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder.
Politische Ämter: Schriftführer der Grünen im Kreis, Delegierter des Ortsverband auf allen Ebenen.
Ehrenamtliches Engagement: Richter am Verwaltungsgericht Würzburg; Lesedienst in der evangelischen Kirche; Vorstandsmitglied bei der Initiative für Demokratie und Frieden Miltenberg. B.S.
Pressebericht (zuletzt geändert am 29.06.07 18:07)





