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Klingenberg gedenkt der Opfer des Nazi-Terrors
Klingenberg. Auf Initiative der grünen Stadtratsfraktion Klingeberg wurde a. 9.11. anlässlich des 70. Jahrestags der Reichspogromnacht am Standort der ehemaligen Synagoge im Namen der Stadt Klingenberg eine Gedenktafel enthüllt. Dieser Akt beendete eine mehr als zwanzigjährige Diskussion in Stadtrat und Bürgerschaft. Nachdem Anträge der Grünen Jahrzehnte lang entweder keine Mehrheit erlangt haben bzw. nicht umgesetzt wurden, entschied sich der Stadtrat kurz vor dem Gedenktag mit 13 zu 4 Stimmen für die Anbringung der Tafel, die bereits Jahre lang im Keller des Rathauses auf ihre Bestimmung wartete.
Ausschlaggebend war die offene Ankündigung von Willi Stritzinger, Annette Rüttger und Harald Fischmann bei Ablehnung in Eigeninitiative eine Tafel im Namen der Klingenberger Ortsgrünen anzubringen.
Die Gedenkveranstaltung selbst wurde laut Main-Echo von 80 Mitbürgerinnen und Mitbürgern besucht. Neben den grünen StadträtInnen half vor allem Anja Stritzinger mit, der Veranstaltung einen würdevollen Rahmen zu verleihen. Im Namen der Stadt Klingenberg erinnerte die dritte Bürgermeisterin Annette Rüttger an die jüdische Vergangenheit Klingenbergs und enthüllte die Tafel, die sich an einer Mauer in einer Seitengasse der Mainstraße befindet.
Harald Fischmann fragte in seiner Rede nach dem Sinn einer solchen Gedenktafel:
„Wozu die Enthüllung einer Gedenktafel 70 Jahre danach. Mildert dies das Leid? Ist dies ein Eingeständnis von Schuld? Verkleinert es ein kollektives schlechtes Gewissen? Was haben die BürgerInnen Klingenbergs 70 Jahre danach mit diesen Verbrechen zu tun? Im Blick in die Vergangenheit als Täter gar nichts, schließlich waren sie noch nicht geboren oder kleine Kinder. Mit Blick auf die Zukunft jedoch alles. Denn die Ereignisse von vor 70 Jahren müssen eine Mahnung für uns alle sein, Verantwortung für die Entwicklung unserer Gesellschaft zu übernehmen, auch in unserer Stadt den Anfängen zu wehren und genau hinzuschauen, wo Diskriminierung oder Aggression zu Hause sind.“
Im Namen der christlichen Konfessionen riefen Pfarrer Prof. Dr. Dr. Feineis und Pastorin Frau Marttunen-Wagner zu gelebter Nächstenliebe auf. Die Veranstaltung wurde mit dem Gedenken an die Klingenberger Bürger beendet, die während der Nazi Diktatur ihr Leben verloren. Nach den Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des „Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ waren das Heinrich Frank (geb. 1863), Ida Fried geb. Fried (geb. 1881), Semy (Samy) Fried (geb. 1876), Willi Fried (geb. 1879), Anna Lindheimer (geb. 1903), Arthur Lindheimer (geb. 1869), Josef Lindheimer (geb. 1859), Ernst Mischliburski (geb. 1925), Gerdi Mischliburski geb. Lindheimer (geb. 1902), Lore Mischliburski (geb. 1930), Ruth Mischliburski (geb. 1924), Rosalie (Rosa) Reis geb. Fried (geb. 1878) und Lina Straus geb. Lindheimer (geb. 1873).
Pressebericht (zuletzt geändert am 29.06.07 18:07)







