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04.05.11 11:56 Alter: 1 Jahr(e)

Ohne Kulturbrüche geht es nicht

Kategorie: Die Grünen

Von: Harald Fischmann

Landesvorsitzender Dieter Janecek spricht über gesellschaftliche Transformation und digitalen Wandel

„Der Ansprechpartner für eine neue Politik ist grün.“ Das sehen laut Dieter Janecek, Landesvorsitzenden der bayerischen Grünen, immer mehr Menschen in Deutschland so, wie die Erfolge bei den Kommunal- und Landtagswahlen in Hessen, Rheinland-Pfalz und v.a. in Baden-Württemberg belägen. In einem energiegeladenen Vortrag referierte der Diplom-Politologe in Miltenberg über die Grundvoraussetzung dieser „neuen“ Politik, nämlich die gesellschaftliche „Transformation“, aber auch über Chancen und Gefahren des „Digitalen Wandels“.  
Die Digitalisierung schreite immer weiter voran. Von 1,7 Milliarden Internetnutzern seien beispielsweise bereits 600 Millionen bei Facebook (davon knapp 20 Millionen in Deutschland) – Tendenz steigend. Solche Netzwerke haben laut Janecek natürlich auch Auswirkungen auf politische Werbestrategien, da vermittels solcher Communities Kampagnen viel zielgerichteter und effizienter gestaltet werden können als mit Hilfe von Brief und Telefon. Der Erfolg der aktuellen Demokratiebewegung in den arabischen Staaten sei ohne die digitale Vernetzung  kaum denkbar gewesen. Aber auch für die Menschen in Bayern ergäben sich enorme Vorteile: Besonders der ländliche Raum verliere dadurch seinen Standortnachteil durch Entfernung von den großen städtischen Zentren. Es eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten von der Vermarktung regionaler Produkte bis hin zur Verlagerung des Arbeitsplatzes aus der Firmenzentrale in ein Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung. Voraussetzung ist natürlich ein flächendeckender Zugang zur Breiband-Datenverbindung. Janecek, der selbst IT-Berater war, sieht jedoch nicht durch eine rosarote Brille. Er skizziert auch Gefahren: Der Ausschluss von Jugendlichen, die nicht in den sozialen Netzwerken integriert sind, die latente Ausweitung der Arbeitszeit durch permanente Erreichbarkeit, das Hinterhecheln der Gesetzgebung hinter der rasanten Entwicklung der digitalen Welt, die Gefährdung einer qualitativ hochwertigen Printmedienlandschaft, Datenmissbrauch im Internet – viele Themenfelder werden angerissen. Als politische Antwort auf solche Gefahren sieht Janecek die Notwendigkeit staatlicher Regulierung. Die neue Kommunikationskultur bewertet Janecek als Kulturbruch, auf den die Politik reagieren sollte.
Als Kulturbruch, den eine „neue“ Politik aktiv mitgestalten müsse, begreift er dagegen die Herausforderungen der Ökologie und Energiewende. Als „Transformation“ bezeichnet er die großen Veränderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht. Aus verantwortungsethischer Sicht sei der Wandel längst überfällig. Wichtig sei aber, dass die Grünen auf ihrer momentanen Erfolgswelle diese Veränderungen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durchsetzten, sondern die Bürgerinnen und Bürger – eben anders als die wendehälslerische CSU – mit auf den Weg nähmen. Gewachsene und damit ein Teil unserer Kultur gewordenen Traditionen müssten auf den Prüfstand: Als Beispiele nennt Janecek den hohen Fleischkonsum und das Fetisch Auto. Es sei verlogen zu behaupten, dass wir nach der Energiewende unser Leben genauso weiter fortsetzen könnten wie bisher. Schließlich müsse der Energieverbrauch halbiert werden, was eben nicht allein durch technische Innovation zu erreichen sei. In der anschließenden Diskussion wurde klar, dass diese Notwendigkeiten einer veränderten Lebensgestaltung nicht unbedingt Verzicht bedeuten müssen, sondern auch als Mehrwert begriffen werden können. Beispielsweise die Ersetzung des Autos durch das Fahrrad bei den vielen Kurzstreckenfahrten, was ökologisch, finanziell und gesundheitlich von Vorteil ist.


2008 Bündnis 90 / Die Grünen im Landkreis Miltenberg
Pressebericht (zuletzt geändert am 29.06.07 18:07)