Wir werden immer älter - Der demografische Wandel und seine Folgen
Landesvorsitzende Theresa Schopper zu Gast im Landkreis
Nach einer Besichtigung der Wige – Wohnen in Gemeinschaft in Aschaffenburg diskutierten Grüne und Interessierte über den demografischen Wandel und seine Folgen in der Gaststätte "Zur Gemütlichkeit“ in Niedernberg.
Nach einer Besichtigung der Wige – Wohnen in Gemeinschaft in Aschaffenburg diskutierten Grüne und Interessierte über den demografischen Wandel und seine Folgen in der Gaststätte "Zur Gemütlichkeit“ in Niedernberg.
Der demografische Wandel schreitet voran: in manchen Regionen Bayerns sinken die Bevölkerungszahlen und das Durchschnittsalter steigt. Andere Regionen - hauptsächlich die Ballungsräume - wachsen derzeit noch.
Das Echo, das die Empfehlungen des Zukunftsrats der Bayerischen Staatsregierung erzeugt haben, zeigt, wie sensibel dieses Thema ist und wie emotional es diskutiert wird. Dennoch ist diese Debatte nötig, denn es braucht schlüssige, wirksame und finanzierbare Konzepte, um den demografischen Wandel zu gestalten. Der Wandel wird sich nicht stoppen oder umkehren lassen. Wer das behauptet, weckt unerfüllbare Hoffnungen. Aber es stellt sich die Frage, wie die Daseinsvorsorge und die Lebensqualität der Menschen in den schrumpfenden Regionen nachhaltig sichergestellt werden kann.
Die Spitze der Auswirkungen der demographischen Veränderungen erwarten wir für 2030. In Unterfranken wird es vor allem die Rhön, Main-Spessart und Bad Kissingen stark treffen, den Untermain weniger hart. Im Landkreis Miltenberg soll sich die Bevölkerung laut Bayerischem Landesamt für Statistik in den nächsten 20 Jahren um 2,5 bis 7,5 Prozent verringern. Gleichzeitig steigt der Anteil der Übersechzigjährigen von derzeit 32 auf prognostizierte 43 Prozent im Landkreis Miltenberg an. In Aschaffenburg jedoch wird der Anteil der über 65-Jährigen bei einer insgesamt stagnierenden Einwohnerzahl von ca. 68.800 Personen im Vergleich zwischen den Jahren 2009 und 2029 sogar von 33,2% auf 46,6% steigen. Für den Landkreis Aschaffenburg soll sich die Bevölkerung laut Bayerischem Landesamt für Statistik in den nächsten 20 Jahren um 12,4 bis 20,02 % verringern. Gleichzeitig steigt der Anteil der Übersechzigjährigen von derzeit 32,2 auf vorausgesagte 48,2 Prozent. Wie die o.g. Beispiele zeigen ist jeder Kreis, ja sogar jede Gemeinde anders gelagert. „Es kann keine einheitliche Lösung geben, individuelle Lösungen sind gefragt, die nicht an den Gemeinde- bzw. Kreisgrenzen aufhören“, so Theresa Schopper .
Aktuelle Zahlen für jeweilige Regionen, Kreise und Städte sind im Internet unter www.statistik.bayern.de/statistik/demwa/ nachzulesen.
Im Nahverkehrsbereich werde die Bevölkerung auf dem Land laut Schopper noch viel mehr Abstriche machen müssen wie bisher. Eine stündliche Taktung des ÖPNV kann nicht mehr aufrechterhalten werden. Kleinbusse könnten z.B. wie heutige Taxen auf Abruf fahren, wenn mehrere Fahrgäste zusammen kommen, so ein Vorschlag von Frau Schopper.
Von Ausnahmen abgesehen, benötigten wir in Bayern keine neuen Straßen – wegen des Demographischen Wandels und weil die Gelder zum Erhalt der vorhanden Straßen gebraucht würden, denn Bayern sei bestens bestückt mit Straßen.
Der Digitale Wandel im Ländlichen Raum sei unerlässlich (siehe Artikel vom 4.5. über den Besuch von Dieter Janecek). Für die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen benötigten wir Datenautobahnen und keine Straßenautobahnen.
Die Landesvorsitzende ist der Meinung, die demographische Entwicklung sei auch eine Chance und Herausforderung für unsere jungen Leute: „Wir müssen sie für die Ausbildungen fit bekommen, in dem wir Hauptschüler besser ausbilden und auch fragen, ob ein numerus clausus von 1 für z.B. ein Medizinstudium notwendig ist und Auslandabschlüsse bessere Annerkennung finden können.“ Es zeichne sich schon heute eine Feminisierung z.B. des Arztberufes ab. Den numerus clausus schaffen überwiegend Mädchen. Die Kinderbetreuung im ländlichen Raum müsse unbedingt ausgebaut werden. Um Ärzte in der Kranken- und Altenpflege entlasten zu können benötigten wir gut ausgebildetes Fachpersonal, welches ärztliche Aufgaben übernehmen kann.
Mit einem hohen Altenanteil sinke die Zahl derer, die in die Rentenkasse einzahlen und somit verlängere sich zwangsweise das Renteneintrittsalter. „Wer mit 67 Jahren noch arbeiten muss, benötigt auch einen entsprechenden Arbeitsplatz, an dem er arbeiten kann“, forderte die grüne Landesvorsitzende.
Durch die hohe Abwanderung vom ländlichen Raum in die Städte werden Neubaugebiete zudem nicht mehr erschlossen werden können. Infrastruktureinrichtungen, z.B. groß angelegte Kanalisationen in wenig bewohnten Gebieten, müssen zurückgebaut werden, da sich durch den mangelnden Durchfluss Keime ansiedeln. Solche „negativen Spatenstiche“ sind jedoch bei Kommunalpolitikern unpopulär.
MdL Thomas Mütze, Sprecher für Demographischen Wandel erklärte, dass schon heute Neubaugebiete in Ostdeutschland wegen des Wegzuges ins Rhein-Main-Gebiet nicht mehr erschlossen werden können. Die Menschen werden in Städte umgesiedelt und Neubaugebiete zurückgebaut. MdL Mütze ruft alle auf Ideen und Konzepte einzubringen. Der Demographische Wandel sei kein rein grünes Thema: „Er wird uns alle treffen, ob wir wollen oder nicht.“
Pressebericht (zuletzt geändert am 29.06.07 18:07)





